Aktuelle Nachrichten der Jägerschaft Neustadt am Rübenberge e.V.

 

Jagd hat mit Jägern zu tun!

 

Jagdpolitische Entwicklungen stehen im Mittelpunkt der LJN-Mitgliederversammlung in Hitzacker

 

"Jagd hat mit Jägern zu tun - wer sich mit dem Themenkomplex Jagd befasst, sollte also auch auf die fachliche Expertise der Jäger zurückgreifen", so Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) am 08.05.2015 auf der in Hitzacker (Landkreis Lüchow-Dannenberg) stattfindenden Mitgliederversammlung der Landesjägerschaft. So banal dies klinge, habe man doch in der jüngeren Vergangenheit den Eindruck, dass dies in Vergessenheit geraten sei. 

Als prominentestes Beispiel hierfür in Niedersachsen nannte er die im Oktober 2014 in Kraft getretene neue Jagd- und Schonzeitenverordnung: "Wir mussten leider feststellen, dass unsere konstruktiven Vorschläge die Fehlleistungen dieser neuen Verordnung betreffend, nicht berücksichtigt wurden", so Dammann-Tamke weiter. Die Ende April eingereichten Normenkontrollanträge gegen diese Verordnung seien Ergebnis dessen: "Wir hätten es uns anders gewünscht, aber letztlich blieb unseren Mitgliedern keine andere Wahl die massiven Einschränkungen –  bar jeder wildbiologischen und fachlichen Nachvollziehbarkeit – gerichtlich überprüfen zu lassen." 

Dass es auch und gerade in Bezug auf das Thema Artenschutz anders geht, beweisen zahlreiche erfolgreiche Projekte in Niedersachsen, in denen die Jägerinnen und Jäger federführend eingebunden sind. Über ein Dutzend Projekte widmen sich allein dem Thema Prädatorenkontrolle, also Beutegreiferbejagung, zum Wohle von Wiesenvögeln und anderen Leitarten der Feldflur. Mit Mitteln des Umweltministeriums und/oder der Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise werden beispielsweise die Anschaffung von Fallen oder Personalkosten bezuschusst. Eines dieser Projekte: Das Biosphärenreservat Elbtalaue. Um zu verhindern, dass die Wiesenbrüterpopulation dort weiter absinkt, hat die Biosphärenreservat Verwaltung  20 Lebendfallen gekauft und diese an die Revierinhaber der Jägerschaft Lüchow-Dannenberg ausgeliehen.

"Erfolgreicher Natur- und Artenschutz geht nur mit den Jägern, nicht gegen sie - die Artenvielfalt zu erhalten ist unser ureigenes Interesse", kommentierte Dammann-Tamke  die Novellierungen der Landesjagdgesetze in NRW und Baden-Württemberg, bei denen dieser zentrale Aspekt negiert worden sei. Das im Jahr 2001 von der damaligen SPD Regierung umfassend überarbeitete niedersächsische Landesjagdgesetz habe sich indes in dieser Hinsicht mehr als bewährt - sachlich fundiert und faktenorientiert in Abrede gestellt, habe es dies auch noch niemand.                                                                                   

Betroffen gemacht habe neben den Inhalten auch der Umgang mit den Jägern in den benachbarten Bundesländern.  "Niedersachsen ist Jägerland Nummer 1 in Deutschland. Gemeinsam mit den Anglern bilden wir die Mitte der Gesellschaft - wer das in Zweifel zieht verkennt die Sachlage und hat wahrscheinlich schneller eine Großkundgebung vor der Haustür als er vielleicht denkt", so Dammann-Tamke mit Blick auf die Mitte März stattgefundene Demonstration von 15.000 Jägerinnen und Jäger vor dem Düsseldorfer Landtag. "Wir wollen ein solches Szenario für Hannover keineswegs heraufbeschwören, aber klar ist, Novellierungsbestrebungen an uns vorbei, werden wir nicht einfach hinnehmen." 

Jägerland Niedersachsen: Jeder 130 Niedersachse ist Jäger, im Bundesdurchschnitt ist es jeder 218 Einwohner (Bundesweiter Spitzenwert). 2.926 Aspiranten haben im Jahr 2014 die Jägerprüfung in Niedersachsen erfolgreich abgeschlossen – auch dies ist bundesweit der Spitzenwert. Die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. vertritt die Interessen von über 53.000 der etwa 60.000 Jägerinnen und Jägern in Niedersachen. Seit über 30 Jahren ist die LJN anerkannter Naturschutzverband - einer der größten in Niedersachsen. Mit Projekten wie der Wildtiererfassung Niedersachsen (WTE) oder dem Wolfsmonitoring liefert sie seit Jahren anerkanntes, wissenschaftlich fundiertes Datenmaterial über die Wildtiere in Niedersachsen. 

 

v.l.n.r: Hegeringleiter Heinrich Rave; Ulf Hasselbring-Hibbe, Olaf Horl, Fabian Hörner (alle Jungjäger), MdL Mustafa Erkan

 

Mustafa Erkan (MdL/SPD)  erklärt seinen Respekt für die Neustädter Jäger

 

Am 07.05.2015 hatte der Hegering 8 der Jägerschaft Neustadt zur Hegeringversammlung geladen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde der komplette Vorstand des Hegeringes unter Führung von Heinrich Rave als 1.Vorsitzender bestätigt. Neue Kassenprüferin ist Frau Dr. Christiane Bracke.

 

Die Jägerschaft in Niedersachsen sieht sich in 2015/2016 mit einer geplanten Novelle des Niedersächsischen Jagdgesetzes konfrontiert. Die Initiative zu einem „ökologischen“ Jagdgesetz geht von Landwirtschaftsminister Meyer (Grüne) aus. Die Jägerschaft spricht schon jetzt vom einem ökologisch ideologisierten Vorhaben und praxisferner Klientelpolitik des grünen Ministers, das auch in den Reihen des Koalitionspartners SPD im Niedersächsischen Landtag seine Kritiker haben wird.

 

Ein daher mit Spannung erwarteter Punkt auf der Tagesordnung war das Grußwort zur aktuellen Jagdpolitischen Situation in Niedersachsen von Gastredner Mustafa Erkan (MdL/SPD) aus Neustadt.

 

Mustafa Erkan beglückwünschte zu Beginn seiner Rede den neuen Vorstand zur Wiederwahl und gratulierte auch den Absolventen der Jägerprüfung im Hegering 8 zur Erlangung des Jagdscheins. (Foto)

 

In seinen Ausführungen fand Mustafa Erkan klare Worte für die Anliegen der Jäger in Neustadt und Niedersachsen. „ Ihm sein bekannt, das sich die Liebe der Jäger zu Herrn Minister Meyer von den Grünen in Grenzen hält“ so Erkan. Er versicherte verbindlich dass es zurzeit keine konkreten Pläne zur Novellierung des Jagdgesetzes in Niedersachsen gibt. Weder gäbe es einen Vorschlag dazu in einer Schublade, noch sei es sicher dass es absehbar eine Novellierung geben wird.“ Wir lassen uns als SPD in dieser Sache nicht treiben, auch nicht von unserem Koalitionspartner, den Grünen“! so Erkan zu den Anwesenden.

 

Erkan versprach, das auch die Anregungen der Neustädter Jägerschaft in einem möglichen Dialog zur Novelle mit einfließen werden. Dafür würde er sich intensiv einsetzen. Diese Aussagen wurden unter den Anwesenden sehr positiv aufgenommen.

 

Mit weiteren Ausführungen zu den Themen Totes Moor, Wolf in Niedersachsen und der Umsetzung der Jagdzeitenverordnung im Bereich der Gänse beendete Mustafa Erkan seinen Gastvortrag. Unter den Zuhörern war manch positiv erstauntes Gesicht zu sehen nach dieser Rede und seinen aus Jägersicht positiven Aussagen zur aktuellen Jagdpolitik.

 

Erkan sprach den Jägern für ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Naturschützer seinen persönlichen Respekt aus, und führte an, das auch Gesellschaftspolitisch die Arbeit der Jäger mehr gewürdigt werden müsste in der Öffentlichkeit.

 

Wenn es zur Jagdgesetznovelle in Niedersachsen kommen sollte, dann werden die Neustädter Jäger Mustafa Erkan gerne beim Wort nehmen und in den angebotenen Dialog eintreten.

 

KA/09.05.2015

Jagdpolitische Situation in Niedersachsen
 

In einer Schwerpunktausgabe der ersten Mai Ausgabe des Niedersächischen Jägers, informiert die LJN über die aktuelle jagdpolitische Situation.

 

 

Hier lesen Sie die Ausführungen von LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke.

(mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des Niedersäschischen Jägers)

Landesjägerschaft Niedersachsen - Gut vorbereitet
15_04_GW_Dammann_Tamke.pdf
PDF-Dokument [722.8 KB]

Jagdzeitenverordnung in Niedersachsen: Normenkontrollanträge auf den Weg gebracht

 

27.04.2015

 

Gemeinsame Pressemeldung LJN & ZJEN

 

 

9 Jäger und Grundeigentümer haben Normenkontrollanträge gegen die seit Oktober 2014 geltende neue Jagd- und Schonzeitenverordnung beim Oberverwaltungsgericht in Lüneburg auf den Weg gebracht. Unterstützt werden die Kläger hierbei von der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) und dem Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen e.V. (ZJEN).

Die Antragsteller wenden sich gegen die Verbote und Einschränkungen der Jagd, die das Landwirtschaftsministerium mit der Jagdzeitenverordnung verfügt hat. Deshalb rufen sie das Gericht an, damit es die Verordnung zumindest in Teilen für unwirksam erklärt, weil sie gegen höherrangiges Recht verstößt. 

"Wir teilen diese Auffassung absolut - zudem sind die beklagten Einschränkungen weder wildbiologisch noch wissenschaftlich fundiert nachvollziehbar begründet", so Clemens H. Hons, Justitiar der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., stellvertretend für die klagenden Jäger. "Das Jagdrecht ist an das Eigentum gebunden - nicht die Jagdausübung muss daher begründet werden, sondern umgekehrt deren Einschränkung", ergänzt ZJEN-Geschäftsführer Peter Zanini, für die klagenden Grundeigentümer. Es finde keinerlei Jagd auf besonders geschützte Arten statt.

Da die Kläger von der neuen Jagdzeitenverordnung unterschiedlich betroffen sind, unterscheiden sich auch die eingereichten Normenkontrollanträge: Rechtlich überprüft wird nun unter anderem, ob die Streichung des Monats August als Jagdzeit für den Dachs - die Zeit, in der dieser am effektivsten bejagt werden kann - die Streichung der Jagdzeit bei Blässhuhn, Saat- und Blässgans sowie die umfassenden Einschränkungen bei der Bejagung des Wasserfederwildes in Vogelschutzgebieten rechtlich haltbar sind. 

Die Ausweisung eines Vogelschutzgebietes bedeutet keineswegs dass dort nicht gejagt werden darf: Im Vorwort der Jagdbestimmungen zur Richtlinie 79/409/EWG (Vogelrichtlinie) wird die Legitimität der Jagd auf beispielsweise Gänse und Enten als eine Form der nachhaltigen Nutzung voll anerkannt, wenn diese Tiere in ausreichender Zahl vorhanden sind.
     
Seit dem 1.Oktober 2014 gilt in Niedersachsen die neue Jagd- und Schonzeitenverordnung. LJN und ZJEN hatten wie andere Verbände des ländlichen Raums im Vorfeld immer wieder auf die Fehlleistungen dieser neuen Verordnung hingewiesen: "Da unsere Argumente und konstruktiven Vorschläge als Interessensvertretung der Jäger und Grundeigentümer seitens des Landwirtschaftsministeriums allerdings keinerlei Berücksichtigung gefunden haben, bleibt unseren Mitgliedern leider nur diese Möglichkeit der rechtlichen Auseinandersetzung", so die beiden Verbandvertreter abschließend. 

Die Landesjägerschaft Niedersachsen ist die Interessensvertretung der Jägerinnen und Jäger in Niedersachsen und anerkannter Naturschutzverband. Gemeinsamen mit dem ZJEN, dem größten Grundeigentümerverband in Niedersachsen, vertreten die beiden Verbände etwa 300.000 Mitglieder des ländlichen Raums.