Übergangsfrist zur Förderkulisse Herdenschutz bei Wolfsübergriffen endet im März 2016 in der Region Hannover
 

Der Wolfsberater der Jägerschaft Neustadt, Helge Stummeyer, informiert aus aktuellen Anlass die Nutztierhalter im Neustädter Land und der Region Hannover zum Auslaufen der Übergangsfrist in der Förderkulisse Herdenschutz bei Wolfsübergriffen zum 05.03.2016.

 

Nutztierhalter, die seit dem 05.03.2015 keine Herdenschutzmaßnahmen getroffen haben, können ab 06.03.2016 keine Billigkeitsleistungen für Schaden bei Wolfsübergriffen mehr beantragen.

 

Durch die Richtlinie Wolf wird ein Beitrag zum Schutz vor dem Wolf geleistet für Nutztierhalter, veranlasst das durch Ministerium für Umwelt in Hannover, indem Billigkeitsleistungen zum anteiligen finanziellen Ausgleich bei Nutztierrissen gewährt werden. Präventionsmaßnahmen in Form einer vorsorglichen Beschaffung von wolfsabweisenden Schutzzäunen und Herdenschutzhunden sollen somit gefördert werden. 

 

Gefördert werden können Aufrüstungen und einmalige Neuanschaffungen von Schutzzäunen nebst Zubehör zur Erreichung eines wolfsabweisenden Grundschutzes sowie die Anschaffung von Herdenschutzhunden.
Zuwendungen sind grundsätzlich zum Herdenschutz von Schafen, Ziegen und Gatterwild zur Erreichung des definierten Grundschutzes vorgesehen.

 

Im Ausnahmefall können auch Schutzmaßnahmen für Rinder und Pferde gefördert werden. Ein Anspruch auf Gewährung einer Zuwendung besteht nicht.

 

Nur wer als Nutztierhalter einen Wolfsabweisenden Grundschutz für das zu schützende Nutztier bis zum 05.03.2016 errichtet hat, kann dann weiterhin die Billigkeitsleistungen (Rissentschädigung) beim Land Niedersachsen bei den betreffenden Stellen beantragen.


Zahlungen, also Billigkeitsleistungen erfolgen nur für Schafe, Ziegen, Gatterwild, Rinder, Pferde, Jagd- und Hütehunde sowie Herdenschutztiere, die unter den vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe gehalten werden.

 

Die amtliche Feststellung erfolgt durch den NLWKN in seiner Funktion als Fachbehörde für Naturschutz. Die Billigkeitsleistung wird nur gewährt, wenn der Wolf als Verursacher eindeutig erwiesen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist.

Eine amtliche Protokollierung der beim Wolfsübergriff getöteten, verletzten oder anderweitig beeinträchtigten Tiere ist für jeden Einzelfall erforderlich. Die Protokollierung erfolgt durch die Wolfsbeauftragte oder den Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. oder die vom MU bestellte regionale Wolfsberaterin oder den bestellten regionalen Wolfsberater.

Weiter Informationen zur Richtlinie Wolf des Landes Niedersachsen für  interessierte Nutztierhalter sind auf der Homepage der Jägerschaft Neustadt im Themenbereich Wolf unter „Richtlinie Wolf Herdenschutz“ einzusehen.

 

 

 

 

Der Wolf - Rückkehrer im Neustädter Land

 

Der Wolf

 

Die ehemals heimische Tierart Wolf kehrt nach Deutschland zurück. Junge, einzelne Tiere wandern aus anderen Ländern (z.B. Polen und Italien) wieder ein und streifen auch in Niedersachsen umher. Junge Wölfe verlassen ihre Eltern und deren Territorium spätestens mit dem Erreichen der Geschlechtsreife als zweijährige Tiere. Sie begeben sich auf die Suche nach einem eigenen Territorium und einem Paarungspartner. Auf der Wanderschaft können pro Tag Strecken bis zu 70km zurückgelegt werden.

Ein eigenes Territorium zeichnet sich durch genügend Beutetiere sowie einen Rückzugsbereich aus, in dem die Welpen großgezogen werden können. Der Wolf benötigt keine pure Wildnis, er geht dem Menschen aus dem Weg. Bereiche, die tagsüber von Menschen genutzt werden, können nachts durchaus von Wölfen belaufen werden. Die Territoriumsgröße einer Wolfsfamilie beträgt in Deutschland ca. 250-350km². Das Gebiet wird mit Kot und Urin markiert und gegen fremde Wölfe verteidigt. So bleibt die Anzahl der Wölfe in einem Gebiet relativ konstant.


Wölfe unterliegen in Niedersachsen nicht dem Jagd-, sondern dem Naturschutzrecht.

 

Sie gehören durch eine Vielzahl nationaler und internationaler Übereinkommen zu den am strengsten geschützten Arten.

 


 

Das Wolfsrudel

 

Hat ein Jungwolf ein geeignetes Gebiet sowie einen Paarungspartner gefunden, gründet er eine Familie, das Wolfsrudel. Diese grundlegende soziale Einheit besteht aus einem fortpflanzungsfähigen Paar, dem Rüden und der Fähe, sowie deren Nachwuchs von ein bis zwei Generationen. In dieser Gruppe besteht keine strenge Rangordnung, wie es von Beobachtungen bei Gehegetieren bekannt ist.

Nach der Ranzzeit im Januar bis März werden nach der Tragzeit von 63 Tagen bis zu 11 Welpen in einer Wurfhöhle gewölft. Die blind und taub geborenen Welpen werden die ersten drei Wochen von der Fähe im Bau gesäugt, danach sind sie außerhalb des Baus aktiv. Das gesamte Rudel beteiligt sich an der Welpenaufzucht. So werden die Welpen zum Beispiel mit Fleisch versorgt, indem die Eltern oder die älteren Geschwister an einem Riss fressen, zu den Welpen laufen und es dort das gefressene Fleisch wieder hervorwürgen. Als Helfer lernen die Jährlinge so alle Verhaltensweisen, die sie später in der Selbstständigkeit benötigen.

 

Beutetiere

 

Die Wölfe in Deutschland ernähren sich überwiegend von den drei Schalenwildarten Rehwild, Rotwild und Schwarzwild, wobei Rehwild über 50% der gefressenen Biomasse ausmacht. Sie fressen aber auch Aas, Früchte und Kleinsäuger. Nahrungsanalysen zeigen, dass Wölfe bei ihren Beutetieren selektieren: Der überwiegende Teil der Beutetiere weißt mäßige bis schlechte Kondition auf. Wölfe tragen also dazu bei, den Wildbestand gesund zu halten.

 

Zudem wird z.B. beim Rotwild auch nach Altersklassen selektiert. Über 65% der Beutetiere sind Kälber.

 

Ein Wolf benötigt pro Tag ca. 4kg Fleisch. Aufs Jahr gerechnet entspricht das ca. 65 Rehen, 9 Stück Rotwild und 16 Wildschweinen. Für ein Rudel bestehend aus zwei Elterntieren, zwei Jährlingen und vier Welpen und einem Streifgebiet von 300km² ergibt sich ein theoretischer Bedarf von 1,3 Rehen, 0,18 Stück Rotwild und 0,33 Wildschweinen pro Jahr auf 100ha.

 

www.wildtiermanagement.com

 

Das Beutespektum der Wölfe erstreckt sich aber auch in ungünstigen Fällen auf den Bereich der Landwirtschaftlichen Nutztierhaltung. Schafe in Freilandhaltung stehen hier nach Erkenntniss der letzten Jahre im Mittelpunkt des Beuteschemas.