Wildunfälle

Häufig werden Wildunfälle im Ausmaß unterschätzt. Ein 20 Kilogramm schweres Reh besitzt bei einer Kollision mit Tempo 100 ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne.

Die meisten Unfälle passieren in den Abend- und frühen Morgenstunden, wobei Übergangsbereiche zwischen Wald- und Feldzonen besondere Gefahrenschwerpunkte darstellen. Hier ist mit regelmäßigem Wildwechsel zu rechnen, da die Tiere zur Äsung vom Wald auf die Felder ziehen und danach wieder den Schutz des Waldes aufsuchen. Diese Gefahrenbereiche sind mit dem Schild “Achtung, Wildwechsel” gekennzeichnet.

Extreme Aufprallgewichte

Häufig werden Wildunfälle im Ausmaß unterschätzt. Ein 20 Kilogramm schweres Reh besitzt bei einer Kollision mit Tempo 100 ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne.

2017 12 Wildunfaelle Aufprallgewicht FV
2017 12 Wildunfaelle Geschwindigkeit ohne ADAC FV

Kurze Reaktionszeit

Bei ca. 80 Prozent aller Fälle taucht das Wild nur 20 Meter und kürzer vor Ihrem Fahrzeug auf. Wer da zu schnell fährt, hat keine Chance mehr.

Wie ein Wildunfall am besten verhindert werden kann

Wird durch Warnschilder “Wildwechsel” angezeigt, sofort Fuß vom Gas, langsam und konzentriert fahren. Wald- und Straßenränder sorgfältig im Auge behalten und bremsbereit sein. Denn in etwa 80 Prozent aller Fälle taucht das Wild nur 20 Meter und kürzer vor Ihrem Fahrzeug auf. Wer da zu schnell fährt, hat keine Chance mehr.
Die größte Gefahr droht in der Morgen- und Abenddämmerung, während der Nacht und bei Nebel.

Besonders gefährlich sind neue Straßen, die durch Waldgebiete führen, weil Wild die gewohnten Wechsel beibehält.

Ein Tier kommt selten allein. Immer mit “Nachzüglern” rechnen.

Nachts in bewaldeten Gegenden – wann immer möglich – mit Fernlicht fahren. So wirken die Augen der Tiere wie Rückstrahler und sind besser zu erkennen. Taucht Wild im Scheinwerferlicht auf, sofort abblenden, bremsen und hupen.

Wenn ein Unfall unausweichlich ist:

Bleiben Sie ruhig und vermeiden Sie hektische Lenkbewegungen. Halten Sie das Lenkrad gut fest, steuern Sie geradeaus und bremsen Sie. Ein kontrollierter Aufprall ist zumeist weniger riskant als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver. Auch wenn es hart klingt, weichen Sie nicht aus. Denn durch Ausweichen passieren oft noch schlimmere Unfälle als durch einen Zusammenstoß mit dem Tier.
Nehmen Sie daher lieber einen Aufprall des Tieres in Kauf, als reflexartig in eine andere Richtung zu steuern.

Vorsicht Ausflugsgegenden

Besondere Vorsicht ist in Ausflugsgegenden geboten. Dort wird Wild oft aufgescheucht.
Von September bis Januar und von Juli bis August ist sogenannte Blatt- oder Brunftzeit. Viele Tiere sind auf “Brautschau”, ihre Reaktionen sind dann spontaner und deshalb für die Kraftfahrer noch gefährlicher.
Bei Rast in Waldgebieten: Auf Rastplätzen und Wegen bleiben. Das Wild nicht beunruhigen. Es könnte sonst flüchtig werden und andere Kraftfahrer gefährden.

Und ganz wichtig: Hunde in Wald und Feld nicht frei laufen lassen!

Was zu tun ist, falls es doch gekracht hat

  1. Nach einem Unfall: Sofort Warnblinkanlage einschalten und Unfallstelle absichern.
  2. Das Tier an den Randstreifen schaffen, damit keine Folgeunfälle passieren.
  3. Wegen eventueller Tollwutgefahr das Tier nicht mit bloßen Händen anfassen.
  4. Wild niemals mitnehmen! Wer Wild mitnimmt, macht sich der Wilderei schuldig. Strafanzeige droht!
  5. Einem angefahrenen und verletzten Tier, das flüchtig ist, niemals folgen.
  6. Für die spätere Meldung Fluchtrichtung merken oder markieren. So kann der Jäger oder Förster später mit einem ausgebildeten Hund dem verletzten Tier folgen und es von seinem Leiden erlösen
  7. Unfall unverzüglich am besten der Polizei melden. Bescheinigung über den Wildunfall ausstellen lassen. Das ist wichtig für den Schadensersatzanspruch.

Informationsblatt zu Wildunfällen für die Bevölkerung

Helge Stummeyer, Wolfsberater im Bereich der Jägerschaft Neustadt und Pächter Revier Warmeloh, hat eine Zusammenfassung aller wichtigen Fakten zu Wildunfällen auf einem Informationsblatt zusammengestellt. Dieses Informationsblatt zu Wildunfällen kann hier zur eigenen Verwendung heruntergeladen werden, damit Wildunfälle in Zukunft möglichst vermieden werden.

Tierfundkataster

Das Tierfund-Kataster ermöglicht erstmals in Deutschland eine bundesweite Erfassung von Wildunfällen sowie anderen Totfunden. Es wurde vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein entwickelt und erprobt und mit Unterstützung des Deutschen Jagdverbandes auf ganz Deutschland ausgeweitet.

Die Erfassung eines Wildunfalls im Tierfundkataster kann jeder per App oder über das Internet vornehmen. Hierzu ist lediglich eine kurze Anmeldung erforderlich.

Auch im Bereich der Jägerschaft Neustadt wird das Tierfundkataster bereits zunehmend benutzt. Überzeugen und stöbern Sie selbst…