Rehkitzrettung

Der Setztermin, d.h. die Geburt, der Rehkitze findet in der Regel von Mitte April bis Mitte Juni eines jeden Jahres statt, wobei der Großteil der Rehkitze von Mitte bis Ende Mai gesetzt wird. Rehkitze liegen in den ersten Tagen nach dem Setzen versteckt in einer Deckung, wie zum Beispiel im hohen Gras einer Wiese, und weisen keinen Fluchtinstinkt auf. Ganz im Gegenteil ducken sich die Rehkitze bei Gefahr und bleiben ganz ruhig und still an dem angestammten Ort in der Deckung liegen. Wenn man nichts unternimmt, wird den Rehkitzen dieses Verhalten in Wiesen, welche mechanisch mit Traktor und Mähwerk gemäht werden, zum Verhängnis. Die Rehkitze können dabei schwer verletzt oder getötet werden.

Streuobstwiese

Um den vorhersehbaren und unnötigen Tod der Rehkitze zu verhindern, versuchen Jäger und Landwirte die Rehe vor der Mahd aus den Wiesen zu vergrämen. Dabei werden kurz vor der Mahd der Wiese entweder Tüten/Flatterbändern, welche im Wind Geräusche erzeugen, oder akustische Geräte (Radio, Wildretter, etc.) an verschiedenen Stellen in den Wiesen aufgestellt. Diese Gegenstände müssen dann vor der Mahd aufwendig aus den Wiesen entfernt werden und der Erfolg ist leider auch nicht hundertprozentig garantiert.

Rehkitzrettung Jagdgenossenschaft Mandelsloh 00001

Eine andere Möglichkeit ist es, die Wiesen am Abend vor der Mahd mit Personen zu Fuß und mit gut ausgebildeten Jagdhunden nach den Rehkitzen abzusuchen. Wenn ein Rehkitz gefunden wird, dann wird es mit Handschuhen oder Gras aus der Wiese getragen, um keine Witterung zu hinterlassen, damit die Ricke das Rehkitz auch wieder annimmt. Ein Vorteil hierbei ist, dass die Witterung der Personen und Jagdhunde die Ricken ggf. veranlasst ihre Rehkitze aus der Wiese zu holen und woanders abzulegen. Allerdings erfordert diese Methode bei den immer größer werdenden Wiesenflächen und zeitgleich erfolgenden Mähterminen einen hohen Aufwand an Personen und ausgebildeten Jagdhunden.

Um die Rehkitze noch effizienter und sicherer vor dem Mähtod zu retten werden in der Jägerschaft Neustadt deshalb seit einiger Zeit Drohnen mit einer Wärmebildkamera für die Rettung von Rehkitzen vor der ersten Wiesenmahd eingesetzt. Einige der Drohnen sind von der Bingo Umweltstiftung gegenüber einer Jagdgenossenschaft oder dgl. gefördert worden. Es werden aber auch privat finanzierte Drohnen mit Wärmebildkamera für die Rettung der Rehkitze eingesetzt. Ein Drohnenteam besteht in der Regel aus 2-4 Personen, welche alle einen sogenannten Drohnenführerschein benötigen und somit die nötige Kenntnis aufweisen.

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Kitzrettung mittels Drohne

Wenn die Mahd ab Mitte April beginnt und gutes Wetter angesagt ist, melden sich die Landwirte bei den Drohnenteams. Am Tag des Mähtermins geht es dann morgens um 4 Uhr los und die ersten Wiesen werden aufgesucht. Deshalb ist eine gewisse Flexibilität des Drohnenteams erforderlich, um an den meist kurzfristig angesetzten Mähterminen auch bereit und startklar zu sein. Hier ist es von Vorteil, wenn das Drohnenteam aus mehreren Personen besteht, falls eine Person verhindert sein sollte. In den Tagen vor den Mähterminen wird die gesamte Technik der Drohne mit Wärmebildkamera und den Akkus geprüft und für die Rehkitzrettung vorbereitet. Neben dem Flugpiloten des Drohnenteams ist in der Regel auch einer der Jäger des Reviers und/oder der betreffende Landwirt mit vor Ort an der Wiese, um die gefundenen Rehkitze aus der Wiese zu tragen.

Die gefundenen Rehkitze werden mit Handschuhen und Gras in einen Karton gelegt und am Rande der Wiese gesichert. Erst wenn die Wiese abgemäht ist, werden die Rehkitze wieder im Nachbarschlag in hoher Deckung freigelassen. Das setzt eine gute Planung und genügend teilnehmende Personen voraus. Rehkitze können so sicher und effektiv gerettet werden. Die Suche der Rehkitze sollte nach Möglichkeit abgeschlossen sein, bevor die Kraft der Sonne die weitere Suche nach den Rehkitzen mit der Wärmebildkamera erschwert oder sogar verhindert. Zusätzliche Maßnahmen sollten weiterhin – wie oben beschrieben – auch das „Verstänkern“ der Wiese am Vorabend sein.

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Stephan Heyse

Die bisherigen Erfahrungen mit der Rettung der Rehkitze per Drohne sind sehr positiv, so dass praktisch 100% der Rehkitze in den Wiesen gefunden und somit gerettet werden können. Dies entschädigt jeden „Rehkitzretter“ des Drohnenteams für den besonderen Aufwand sowie den reduzierten Schlaf und das frühe Aufstehen. 

Die Jägerschaft Neustadt bedankt sich bei Stephan Heyse, Neustadt und der Jagdgenossenschaft Mandelsloh, insbesondere Heiner Duensing, Finn Harnischmacher und Marissa Grimsehl für die Bereitstellung der Bilder.

In der Jägerschaft Neustadt sind in folgenden Orten Drohnenteams aktiv, welche bei Bedarf auch in anderen Orten aushelfen.


  • Mandelsloh (Jagdgenossenschaft)
  • Meyenfeld (Jagdgenossenschaft)
  • Osterwald o.E. (Jagdgenossenschaft)
  • Schneeren (NABU)

Bei Interesse nehmen Sie bitte Kontakt über die Jägerschaft Neustadt auf.