Fallenprojekt zur Regulierung invasiver Arten

In Kooperation mit der Region Hannover hat die Jägerschaft Neustadt im Sommer 2018 ein mehrjähriges Projekt gestartet, um in den heimischen Revieren den Bestand der aus Amerika eingewanderten Waschbären (Procyon lotor) und der aus Südamerika stammenden Nutria (Myocastor coypus) zu reduzieren.

Waschbären haben hier kaum natürliche Feinde und richten großen Schaden an. Unsere Aktion soll dazu beitragen, das Niederwild und insbesondere Bodenbrüter sowie Sing- und Greifvögel vor den Beutezügen der Waschbären zu schützen. Weiterhin wird der Mensch vor möglicher Tollwut und Bandwürmern geschützt.

Waschbär im Wasser - Procyon lotor

Resultate der Jägerschaft Neustadt

Nutria

Waschbären

Die Nutriabestände in Deutschland haben sich von 2006 bis 2016 verdoppelt. Nutria richten erhebliche Schäden an Wasserbauanlagen an, da sie Deichanlagen und Uferbereiche unterhöhlen. Auch werden Uferröhrichte durch Fraß geschädigt, wodurch Lebensräume seltener Arten eingeschränkt werden. Die von Nutrias geschaffenen Hohlräume sind sehr groß, die dadurch entstehenden Einstürze im Erdreich können auch die landwirtschaftlichen Fahrzeugs, insbesondere im Uferbereich, gefährden. Nutria sind in die Liste invasiver gebietsfremder Arten der Europäischen Union aufgenommen worden, was die weitere Einfuhr und Zucht verbietet und eine Bejagung erfordert.

In Niedersachsen wird die Jagd auf Nutria intensiviert, nachdem die Population zwischen 2013 und 2016 von 4000 auf 24.000 Tiere angestiegen ist. Mit Wirkung vom 25. April 2018 ist die Schonzeit für die Nutria in Niedersachsen aufgehoben worden. Unberührt hiervon bleibt nach wie vor die Elterntierregelung (Muttertierschutz) nach § 22 Abs. 4 des Bundesjagdgesetzes.

Die Biberratte schaut aus dem Zuflussrohr. - Myocastor coypus

 

Die Falle hat 3 verschiedene Auslösefunktionen: Köderauslösung, Trittbrett oder Berührung des Stellmechanismus. Der Stellmechanismus liegt innen und ist somit gut geschützt. Die Weka invasiv Lebendfalle lässt sich daher von außen einfach verblenden und ist zudem witterungsbeständig ohne zusätzliche Abdeckung. Selbst das Aufstellen am oder im flachen Wasser ist möglich, was für die Bejagung von Waschbär und Nutria hilfreich sein kann.

In 48 der insgesamt 98 Reviere der Jägerschaft Neustadt haben die speziell ausgebildeten Fallensteller seit Ende 2019 die sogenannten WEKA invasiv Lebendfallen aufgestellt, um die Nutria und auch die nachtaktiven Waschbären zu fangen. Die Weka invasiv Lebendfalle fängt unversehrt lebend und entspricht der aktuellen Fangjagdverordnung. Die Falle ist aus Kunststoff und hat einen Durchmesser von 400 mm. Durch die praktischen Tragegriffe und das geringe Gewicht lässt sich die Falle problemlos von 1-2 Personen transportieren oder einfach im Revier einbauen und umsetzen.

Fallenprojekt

Das rund 56.000,- Euro teure Projekt wurde von der Region Hannover mit 25.000,- Euro bezuschusst. Die Jägerschaft Neustadt dokumentiert die Fangerfolge der invasiven Arten Waschbär und Nutria und meldet diese einmal jährlich an die Region Hannover. Bis Ende des Jahres 2020 konnten im Rahmen des Projektes 258 Waschbären, 123 Nutria und 1 Mink gefangen werden. Außerdem gingen 40 Füchse, 33 Marder, 4 Dachse und 9 Marderhunde in die Fallen.

Das Projekt ist in einem Artikel in der Ausgabe 12/2019 der Jagdzeitschrift Niedersächsischer Jäger vorgestellt worden.

Aufgrund der guten Erfolge und der hohen Resonanz hat die Jägerschaft Neustadt im Oktober 2020 einen weiteren Antrag zu Förderung von Fallen für die Jagd auf die invasiven Arten Waschbär und Nutria gestellt.

Begegnung von Schwan und Nutria - Myocastor coypus